Podcastgrafik zu Mutig und Klug fragt mit Mascha Schönhof in der Mitte sowie Vera Lyko und Janina Rüger-Aamot an den Seiten.

S07-E09 Mascha Schönhof: Wie wickelt man ein Start-up ab?

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Vera Lyko

Vera begleitet als systemische Coach, Business-Strategin und Co-Founderin von econoyou Gründer bei wichtigen unternehmerischen Entscheidungen – von der Gründung über die Teamentwicklung bis zur Unternehmensnachfolge.

Sie verbindet mehr als elf Jahre Erfahrung in der Automobil- und IT-Branche mit fundiertem Wissen zu Geschäftsmodellen, Produktentwicklung und Teamdynamiken.

Gemeinsam mit Janina Rüger-Aamot entwickelt sie unter den Marken econoyou und Gründet gemeinsam! innovative Lernformate, Simulationsspiele und Kartenspiele für Gründer und Gründungsteams.

Mascha Schönhof spricht mit Vera Lyko darüber, wie sie ihr Start-up als GbR beendet hat, warum ein letzter Test die Entscheidung brachte und wie es danach weiterging.

S07-E09 Mascha Schönhof: Wie wickelt man ein Start-up ab?

Mit der Folge von Mascha Schönhof veröffentlichen wir unsere 70. Folge Mutig und Klug fragt. Klar, dass ich bei einer Runden Zahl an den Anfang denke, wie es war, als Janina und ich die Idee ausbaldovert haben. Wie wir uns ein Konzept gemacht haben und nach wenigen Wochen ins Tun kamen. Hach, war das schön. Wir haben in diesem Sommer viel über das Scheitern gesprochen. „Was, wenn es nicht klappt?!“ Heute spreche ich mit Mascha Schönhof genau darüber, denn, bei ihr „hat es nicht geklappt.“ Zumindest ihr Start-up nicht.

Über das Scheitern sprechen, das nicht funktionieren, und welche Gedankengänge es dabei gibt, ist sicher nicht einfach. Ich bin einfach sehr dankbar und demütig, dass Mascha mich an ihren teilhaben lässt und ganz offen über alles Gute und das nicht-Gute aus dieser Situation spricht. Wie mutig kann man sein? Mascha arbeitet heute wieder in einem Anstellungsverhältnis und zeigt alles, die diesen Weg der Selbstständigkeit gehen: hey, wenn Du anpackst, wenn du selbst weißt, was Du willst, wenn Du Dich nicht nur auf das Scheitern konzentrierst, sondern auf alles andere, was Du noch gelernt hast, dann geht die Reise weiter.

Ich bin sehr beeindruckt von Ihrem Weg und mit welcher Klarheit sie zurückblickt. Danke, an Mascha, für Deine Ehrlichkeit! Und Euch: viel Spaß bei dieser besonderen Folge von Mutig und Klug fragt.

Eure Vera

Die Zusammenfassung des Gesprächs ist mit KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Was passiert, wenn ein Start-up nicht weitergeht?

Über den Aufbau eines Unternehmens wird öffentlich viel erzählt. Mascha Schönhof bringt in dieser Folge die andere Seite ins Gespräch: die Entscheidung, ein Start-up geordnet zu beenden.

Mascha kennt die Gründungswelt aus mehreren Perspektiven. Vor ihrer eigenen Gründung arbeitete sie fast viereinhalb Jahre im Venture Building und begleitete Unternehmen von der ersten Idee bis zur Ausgründung oder zum Ende eines Vorhabens. Ihr eigenes Start-up entstand aus einem Projekt, dessen Budget beim Kunden gestrichen wurde. Mascha und ihr damaliger Freelancer entschieden sich, das Thema gemeinsam weiterzuverfolgen.

Das Produkt blieb dabei über die Jahre in Bewegung. qru begann als Talent- und Jobplattform mit anderen Formen von Lebensläufen und Videos. Später entstand daraus eine Plattform für mittelständische Unternehmen, die Jobvideos über Hochschulseiten an junge Talente ausspielte. Mascha beschreibt diese Entwicklung als einen Prozess, in dem viele Gespräche, Tests und Richtungswechsel steckten.

Der Kunde zahlt kein Geld für Hoffnung

Mascha und ihr Co-Founder finanzierten das Unternehmen selbst. Eine Finanzierungsrunde gab es nicht. Im letzten Jahr kam eine EXIST-Förderung hinzu. Dadurch blieb die Frage sehr konkret, wofür Kundinnen und Kunden tatsächlich Geld bezahlen.

„Der Kunde zahlt kein Geld für Hoffnung“,

sagt Mascha im Gespräch. Für sie hat sich dadurch auch ihre Definition eines Start-ups verändert. Technologie kann Teil der Idee sein. Ein funktionierendes Geschäftsmodell, ein Team und zahlende Kunden gehören für sie genauso dazu.

Impact und Geldverdienen schließen sich für Mascha nicht aus. Geld ist die Voraussetzung, damit ein Unternehmen weiterarbeiten und seine Wirkung entfalten kann. Die Idee muss deshalb früh in Handlung übersetzt werden. Ein passendes Dienstleistungspaket oder ein Pilotprojekt kann dabei helfen, erste Einnahmen zu erzielen, während die Software noch weiterentwickelt wird.

Der letzte Test brachte die Entscheidung

Ende 2025 nutzten Mascha und ihr Co-Founder das verbleibende Förderbudget für einen letzten Test. Innerhalb von ungefähr fünf bis sieben Tagen meldeten sich mehr als 210 Talente für ein digitales Event an. Auf der Unternehmensseite waren am Ende drei Kunden dabei. Ein weiterer Kunde fiel kurzfristig aus.

Für Mascha lag darin die Antwort. Das Problem auf der Talentseite war real. Die zahlende Unternehmensseite hatte in dieser Phase andere Prioritäten. Ein Angebot kann auf einer Seite große Resonanz erzeugen und auf der anderen Seite trotzdem kein tragfähiges Geschäftsmodell ergeben.

Die beiden zogen das Event für die Talente trotzdem durch. Sie erklärten die Lage, sprachen über den Arbeitsmarkt und stellten Unternehmen vor, die noch nach Absolventinnen und Absolventen suchten. So konnten sie mit einem guten Gefühl abschließen. Sie hatten getestet, kommuniziert, vermittelt und jede Idee ausprobiert, die noch plausibel erschien.

„Kamera aus, Laptop zu“

Nach dem digitalen Termin gab es kein weiteres Nachgespräch wie sonst. Mascha schaltete die Kamera aus und klappte den Laptop zu. Danach kam ein innerer Frieden, wie sie es beschreibt, weil der Kampf aufhörte.

„Kamera aus, Laptop zu. Und es war so ein … irgendwo auch so ein innerer Frieden, weil man dann nicht mehr kämpfen musste.“

In den Monaten davor hatten Mascha und ihr Co-Founder immer wieder versucht, die Lücke zwischen jungen Talenten und Unternehmen zu schließen. Sie vermittelten Kandidatinnen und Kandidaten auch händisch weiter, wenn sie von passenden Stellen hörten. Vieles davon rechneten sie nicht ab. Sie wollten helfen.

Der Abschluss fühlte sich deshalb nicht wie ein einzelner Verlust an. Er war das Ergebnis einer langen Reihe von Versuchen. Mascha und ihr Co-Founder konnten sich keinen Vorwurf machen, etwas Entscheidendes ausgelassen zu haben.

Die GbR auflösen: Maschas Checkliste aus dem Gespräch

Die beiden hatten keine GmbH oder UG gegründet. Ihr Unternehmen war eine GbR. Mascha beschreibt die Abwicklung deshalb als vergleichsweise überschaubar. Zu ihrer persönlichen Checkliste gehörten:

  • das Gewerbe abmelden
  • den Steuerberater prüfen lassen, ob offene Rechnungen oder andere steuerliche Themen übrig waren
  • Abos und genutzte Tools kündigen
  • E-Mail-Postfächer kündigen
  • Unterlagen sichern
  • Kunden über das weitere Vorgehen mit den vorhandenen Videos informieren
  • den Kunden Zeit geben, ihre Videos aus dem Google-Drive-Ordner herunterzuladen
  • eine eigene Sicherung der Videos auf einer Festplatte aufbewahren, in ihrem Fall für zwei Jahre
  • offene operative Punkte mit Kunden und Dienstleistern klären

Den Gang zum Gewerbeamt übernahm Maschas Co-Founder, weil die GbR an seinem Wohnort gemeldet war. Für die beiden war damit der formale Teil weitgehend erledigt. Mascha weist zugleich darauf hin, dass eine GmbH oder UG anders behandelt wird und sich nicht einfach durch eine Entscheidung im Team auflöst.

Hinweis: Diese Checkliste ist ein persönliches Gedächtnisprotokoll aus dem Interview. Sie ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung und ist keine vollständige Anleitung für die Auflösung einer GbR. Die konkreten Schritte hängen unter anderem von Rechtsform, Verträgen, offenen Rechnungen, Daten und steuerlichen Pflichten ab. Wer das eigene Unternehmen abwickelt, sollte die eigenen Unterlagen prüfen und rechtlichen oder steuerlichen Rat einholen.

Vom gescheiterten Start-up in den Konzern

Nach der Abwicklung musste Mascha klären, wie es beruflich weitergeht. Sie probierte zunächst aus, ob sie allein mit LinkedIn-Aufträgen und eigenen Konzepten arbeiten wollte. Dabei merkte sie, dass sie den Austausch mit anderen braucht.

Dann begann sie, Bewerbungen zu schreiben. Mehr als 70 Bewerbungen dokumentierte sie in einem kleinen Notizbuch. Manche Gespräche endeten schnell, weil ihr Profil in keine vorgegebene Schublade passte. Andere Gesprächspartner sahen genau darin ihren Wert: Mascha hatte eine Idee über Jahre entwickelt, mit Kunden gesprochen, ein Produkt verändert, ein Unternehmen getragen und es wieder abgewickelt.

Ein Satz aus einem Bewerbungsgespräch blieb ihr besonders im Gedächtnis: „Bei uns im Konzern lernst du sowas in 20 Jahren, was du in 4 Jahren gelernt hast.“

Heute arbeitet Mascha als Investmentmanagerin bei D² Equity Partner. Sie begleitet frühe Start-ups im baunahen Umfeld, unterstützt bei Finanzierungen und schaut mit darauf, ob Pilotprojekte für beide Seiten sinnvoll sind. Ihre eigene Gründungserfahrung bringt eine zusätzliche Perspektive in diese Arbeit. Sie kennt die Fragen, die Gründerinnen und Gründer oft erst spät aussprechen, und kann mit ihnen über blinde Flecken sprechen.

Mehr über Mascha Schönhof findet Ihr auf ihrem LinkedIn-Profil.

50:50 statt 9:1 Schicksalsquote

Am Ende des Gesprächs spricht Mascha über die bekannte Aussage, dass neun von zehn Start-ups scheitern. Für sie ist diese Statistik als persönliche Orientierung wenig hilfreich. Die eigene Entscheidung fühlt sich immer wie eine Fifty-Fifty-Frage an:

„Für euch gilt 50-50. Entweder klappt diese Idee oder sie klappt halt nicht. Und wenn sie nicht klappt, gibt es eine andere Idee, die genauso 50-50 Chance hat, zu klappen oder nicht zu klappen.“

Ihr Appell an Gründerinnen und Gründer ist klar: die eigene Idee testen, eine persönliche Grenze definieren und den vollen Fokus auf das Thema legen, solange noch Potenzial da ist. Wenn die Grenze erreicht ist, darf auch ein Ende Teil der unternehmerischen Entscheidung sein.

Wie hat Mascha Schönhof ihr Start-up beendet?

Mascha und ihr Co-Founder beendeten ihr als GbR organisiertes Unternehmen nach einem letzten digitalen Test. Sie informierten die Kunden, klärten offene Punkte, meldeten das Gewerbe ab, ließen die Unterlagen steuerlich prüfen und kündigten die laufenden Tools und Postfächer.

Ist die Checkliste eine Rechtsberatung?

Nein. Die Checkliste gibt Maschas persönliche Erinnerung an die Abwicklung ihres Unternehmens wieder. Sie ist ein Gesprächsansatzpunkt und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Was macht Mascha Schönhof heute?

Mascha arbeitet als Investmentmanagerin bei D² Equity Partner. Sie begleitet frühe Start-ups im baunahen Umfeld, unter anderem bei Finanzierungen und Pilotprojekten.

Weiterhören bei Mutig und Klug fragt

Wenn Ihr Euch mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Seiten eines Unternehmensendes beschäftigen möchtet, passt auch S06-E06 mit Start-up-Anwalt Felix Buchmann über Insolvenz im Start-up.

Eine weitere Folge über den Druck der Gründung und das Scheitern ist S04-E07: Schweigend pleite, eine anonyme Gründerin packt aus.

Mehr über das Podcastprojekt findet Ihr auf der Website von Mutig und Klug fragt. Hinter dem Podcast stehen Vera Lyko und Janina Rüger-Aamot, die Gründerinnen von econoyou. Mehr über die Executive Seminare von econoyou findet Ihr auf der Website.

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