Bereitgestellt von
Vera Lyko

Nebenberuflich gründen birgt viele Herausforderungen, eine ist sicherlich viele verschiedene Prioritäten in Einklang zu bringen. Die Gründerin berichtet in dieser Tagebuchfolge darüber.

Anonymes Tagebuch einer Gründerin – Folge 2

 

25.06.2020 Müde. Wach. Müde. Wach.

Es ist Donnerstag, 22:05 Uhr. Ich bin wach. Das blaue Licht des Laptops hat mir noch nie gut getan zu später Stunde. Aber abends bin ich produktiv, ich kann denken. Die Ruhe der Wohnung beruhigt mich, während der Stress des Tages langsam durch die offenen Fenster in die warme Sommernacht entweicht. Gleich, wenn ich müde sein sollte im Bett, werde ich nicht schlafen können. Nicht mit so vielen Gedanken im Kopf.

Heute war ein emotionaler Arbeitstag. Präsentationen. Diskussionen. Angst, die Deadline nicht zu erreichen, weil ich von 100 anderen Menschen abhängig bin. Großkonzernalltagssituation. Freude, etwas gut gemacht zu haben. Mich zu sehr freuen, für ein Lob, was doch nicht ernst gemeint war, aber es war das einzige. Frustriert sein, weil ich nichts bewegen konnte heute. Weil ich eigentlich nie irgendwas alleine bewegen kann und auch mit anderen nur sehr schwer. `s dauert halt. Nach solchen Tagen bin ich meist müde, energieberaubt.

Nebenberuflich gründen

Doch heute ist Nebentätigkeitstag. Heute heißt es Arbeit nach der Arbeit. Da sich mein Nachhauseweg in der Corona-Zeit um 27 Minuten auf genau die Zeit verkürzt, die ich brauche, um meinen Laptop herunterzufahren, bin ich in einer Minute zu Hause. Plötzlich wechselt mein Büro zu meinem Hobbyraum. Und ich weiß, dass in einer Dreiviertelstunde, wenn meine Partnerin kommt, mein Hobbyraum das zweite Büro wird (oder halt das dritte, je nachdem, wie ich zähle). Bei diesem Gedanken sehe ich auf einmal wieder alle Plakate und alle Fresszettel, auf denen unsere tollen, wundervollen, beflügelnden Ideen stehen. Drei Welten – Alltagsberuf, Privat und Nebentätigkeit – in einem Raum vereint. Ich muss mich erst mal innerlich sortieren.

Bevor wir unsere Arbeits-Sessions starten, setzen wir uns erst mal hin und fragen die Frage der Fragen: „Wie geht es?“ Wir reden über unseren „Alltagsjob“, das was wir sonst noch so tun (Also unser Hauptberuf! Das womit wir unsere Brötchen verdienen und wo ein Großteil unserer Energie reingeht. Der uns Spaß macht.) Wir sprechen über das, was uns im Beruf bewegt. Das hilft. Das, was ich erzählend reflektiere, was so nachwirkt aus der Woche, ist unglaublich nützlich für uns. Das, was sie mir erzählt, ebenso. Denn:

Mein Kopf wird leerer, da ich auch durch das erzählen meinen eigenen Stress in die Sommernacht entlasse. Ich schaffe Platz für uns. Für unsere Ideen. Ich werde wach. Die Quintessenzen des Frusts schreiben wir auf – kann man gut als Marketinginstrument nutzen, wenn man andere Frustrierte erreichen möchte. Wir lernen uns besser kennen und entwickeln ein Verständnis für die jeweils andere Situation. Für zwei Menschen, die eine Initiative in Nebentätigkeit starten, ist Verständnis, Offenheit und eine gute Kommunikation (Damit meine ich Zuhören, auf den anderen eingehen, wirklich verstehen wollen, was der andere sagt) das A und O. Wir üben das. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, ganz natürlich, indem wir fragen: „Wie geht es dir?“ und dann zuhören.

 

 

 

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    Folge 2