Bereitgestellt von
Vera Lyko

Die Gründerin berichtet über die Nacht der finalen Entscheidung: sie wird mit Ihrer späteren Geschäftspartnerin eine Firma gründen.

Anonymes Tagebuch einer Gründerin – Folge 4

Wo man gründet.

“Ihr kennt euch doch noch gar nicht so lange!”, sagt eine Stimme… wahrscheinlich die meiner Mutter als ich meinen 1. Freund kennen gelernt habe. “Nach 2 Monaten kann man doch nicht so eine Entscheidung treffen.” “Das hält kein Jahr.”

Ja, stimmt schon, wir kennen uns noch nicht lange. Wir beide waren glücklich mit unseren eigenen Plänen, wir beide hatten schon unser Konzept für unsere jeweils eigene Zukunft im Kopf. Und dann haben wir uns kennen gelernt.

Dienstag, 30.6.20. 23:58, Oesterfeld, S-Bahnhof. Ich bin alleine auf dem Bahnsteig. Ich nehme die Kopfhörer aus dem Ohr, um die Ruhe der Umgebung zu spüren. Ich spüre nach, ob auch ich ruhig bin. Ich habe keine Antwort darauf.

Dann finde ich Ruhe in mir. Eine Sicherheit, die daher rührt, dass wir gerade auf dem Balkon beschlossen haben, was wir vielleicht schon länger in uns wussten: wir gründen eine gemeinsame Firma.

Ich habe immer noch rote Wangen, vom Sekt, den wir natürlich direkt geköpft haben. Und, weil ich leicht peinlich berührt noch mal durchgehe, was wir uns gegenseitig an den Kopf und ins Herz geworfen haben: „ja, ich möchte eine Vision verfolgen – mit dir. Ja, es wird Meinungsverschiedenheiten geben, vielleicht auch mal Streit – und ja, ich habe Vertrauen, dass wir das klären werden. Ja, mit dir sind alle Ideen, die ich habe, denkbar. Denn du erteilst keine Denkverbote. Die Ideen sind so greifbar, realisierbar geworden mit dir.“

Gemeinsam gründen

Es können unsere Ideen werden, aber auch meine bleiben. Es wird Ideen geben, die nur ich gut finde. Für die Angst, dass ich sie dann nicht realisieren könnte, erfinden wir auf dem Balkon eine Lösung. Wir entwickeln unser erstes Firmenorganigramm mit verschiedenen Bereichen der Firma, in denen es möglich sein wird, einzelne Marken eigenständig aufzubauen. Angst erkannt, Angst gebannt. Die Marken bekommen ein eigenes Design, eine eigene Zielgruppe, evtl. ein eigenes Geschäftsmodell. Wenn eine Marke erfolgreich ist, könnte man sogar an einen Verkauf denken. Wenn eine nicht erfolgreich ist, würde sie durch ihre Eigenständigkeit den Erfolg einer anderen Marke nicht direkt gefährden. Die Vorhaben von Beginn an in verschiedene Geschäftsbereiche zu trennen, schafft Klarheit und Freiheit.

Nicht beim Steuerberater, nicht beim Notar, nicht beim Finanzamt… gegründet wird auf dem Balkon.

p.s. trotzdem müssen wir jetzt die genannten Berufsgruppen von unserem Vorhaben überzeugen, naja, oder zumindest informieren… und erst mal Fragen, ob das alles so geht, wie wir uns das mit Sekt im Kopf auf einem wunderschönen Balkon ausgedacht haben. Wir sind gespannt.

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    Folge 4