Bereitgestellt von
Vera Lyko

Die Gründerin berichtet über ihre Angst vor Haftungsfällen und verklagt zu werden. Was ihr dabei geholfen hat, dennoch den Schritt in die Firmengründung zugehen, erfahrt ihr in der neuen Episode.

Anonymes Tagebuch einer Gründerin – Folge 5

Über Angst und Mut und Haftung(sbeschränkung)

Jaja, Mutig sein. Im Vorfeld zu „Mutig und Klug“ haben wir uns Feedback zum Namen eingeholt. Eine Rückmeldung war sinnbildlich: „Wann muss man schon mutig sein? Nur, wenn man Angst hat. Wenn man im Selbstverständnis lebt, alles zu können und zu schaffen, muss man ja nicht mutig sein. Oder es kommt einem nicht so vor.“ Ja, schon recht. Ist das Wasser still, muss man nicht mutig in die Wellen springen. Ist man / frau es gewohnt, in stürmischem Gewässer zu segeln, bezeichnet man sich selbst wahrscheinlich nicht als mutig. Dann ist es normal.

11.07.2020, 13:37, ich sitze entspannt in der Galerie Kernweine und warte auf mein erstes Kennenlernen mit einer Podcast-Teilnehmerin. Ich nutze die Zeit, um die letzte Woche zu reflektieren.

Mein Verständnis bisher war, dass man Mut am meisten braucht, wenn man aus seiner Comfort-Zone in die sogenannte Stretch-Zone gedrückt wird (manchmal mehr, manchmal weniger freiwillig; es passiert manchmal einfach). Danach kommt ja auch nochmal eine Zone, die Panic-Zone, die meines Wissens nach nicht so gut für Kopf und Seele ist. Wahrscheinlich wird in der Panic-Zone auch Unmengen an Cortisol oder sonstigen Botenstoffen ausgeschüttet, die alle möglichen Folgen haben, wie Schockstarre, Unvermögen, Entscheidungen zu treffen oder sonstiges. Ich bin kein Biologe oder Neuro-Wissenschaftler. Dieses Drittwissen kommt von Youtube und wabert irgendwo in meinem persönlichen „Kopf-Backend“.

Panic-Zone: Gründung

So viel weiß ich aber: diese Woche Dienstag habe ich die Panic-Zone verlassen und zwar nicht in Richtung Comfort-Zone. Außer-zonig war die Erfahrung. Cortisol-höchstständig. Als ob man einfach tief seufzt und nach dem Ausseufzen nicht mehr einatmen kann. „Was, wenn wir gründen und uns dann irgendjemand verklagt?“ „Was, wenn wir etwas falsch machen?“ „Als Geschäftsführer haftet man mit seinem Privatvermögen“ Alle, „was wäre, wenn (…die Pferde vor die Apotheke kotzen würden…)?“ – Fragen waren überall im Kopf, im Körper und in der Seele. Und auf einmal erscheint alles unmöglich.

Voller Unzuversicht breche ich auf, um zur nächsten Arbeitssession für die Firma zu fahren. Vorher gehe ich noch in eine Buchhandlung. Ich suche mir etwas aus und gehe zur Kasse, wo ich die nette Frau frage: „Ist das Ihre Buchhandlung?“ „Ja“, sagt sie. „Ich überlege gerade, eine Firma zu gründen und ich mache mir viele Sorgen wegen der Haftung.“ „Ja“, sagt sie. „Wir wurden auch schonmal verklagt. Weil wir alte AGBs auf der Internetseite hatten. Ein amerikanisches Unternehmen wollte 90.000 € von uns. Da dachte ich mir: das kann nicht sein, dass die uns jetzt ruinieren.“ Ich höre gebannt zu und frage: „Wie geht man mit solchen Ängsten um?“ Sie schaut mich einen Moment an und sagt dann: „Wissen Sie, ich habe mich mit 21 selbstständig gemacht. Ich habe nicht nur diese Buchhandlung, sondern mittlerweile 5. Damals, mit 21, habe ich ein Buch gelesen, was leider jetzt vergriffen ist: „Mut gehört dazu!““

Sie sieht so aus, als ob ihr dieser Satz alleine Motivation, Mantra und Schutz zugleich ist. Was für ein schönes Gefühl, wieder in die Comfort-Zone reingedrückt zu werden.

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    Folge 5