Bereitgestellt von
Vera Lyko

In der Podcastfolge berichtet die Gründerin über Fokussierung und Priorisierung während der Gründung und was ihr dabei geholfen hat.

Anonymes Tagebuch einer Gründerin – Folge 1

20.06.2020: Folge 1: Überwältigend, desillusionierend… und ein Ausweg: das gute alte MVP.

Es ist Samstagabend. Ich liege im Bett, mein Kopf raucht. Heute haben wir, meine Geschäftspartnerin und ich, wieder 4 Stunden die Köpfe zusammengesteckt, um Ideen und konkrete nächste Schritte für unsere neue Initiative zu entwerfen.

Ich bin desillusioniert, überwältigt. Jedes Thema, das wir anpacken, bedeutet mindestens 20 Entscheidungen, wenn nicht mehr. Jeder Punkt auf unserer ständig wachsenden To-Do-Liste (als hätten wir nur eine, eigentlich sind es mind. 10 Listen), und sei es nur das kleinste Foto für die Webseite, bedarf reiflicher Überlegung. Erst wägt jeder für sich ab und dann diskutieren wir unsere Meinungen noch einmal und kommen zu einem gemeinsamen Ergebnis. Es geht um Webseiteninhalte, Haftung, Lizenzen, Kostenaufteilung, Datenschutz, Markenschutz.

„Jeder, der sagt ‚einfach machen!‘ gehört eingesperrt“, denke ich dieser Tage oft wütend. Nichts ist einfach. Aus „einfach machen“ wird im Moment selten „machen“, eher denken, andenken, entwerfen, überlegen, verwerfen, zweifeln, erneut andenken, auf eine To-Do Liste schreiben – zu den anderen Punkten.

Wie fokussiere ich mich während der Gründungsphase?

Und dann ist da doch diese Stimme in mir, die sagt: „es wird besser werden.“ Es ist nur deine eigene Bewertung der Situation, die es so schwer macht. Du kannst das auch ganz anders sehen. Und ich erinnere mich an meine Stärke, die positive Seite an Situationen zu betrachten. Ich suche in meiner Kopf-Bibliothek nach Dingen, die ich gelernt habe, um aus solchen Situationen herauszukommen. Und da ist es, das Wort: MVP – Minimum Viable Product. Nicht zu lange im Kopf bleiben, lieber das Kleinstmögliche umsetzen – das „kleinste“ Produkt, das trotzdem einen Mehrwert erzeugt, den ich mit vertretbarer Energie realisieren kann.

Wenn man sich Geschäftsmodelle auf dem Papier ausdenkt, holt man sich ein neues Blatt, wenn das alte vollgeschrieben ist. In der Theorie kann man ja auch alles umsetzen und jede Idee klingt toll. Jetzt gerade, wo jede Idee jedoch gefühlt 1000 (Zahl ist natürlich maßlos untertrieben (Anm. der Redaktion)) Entscheidungen nach sich zieht und noch dazu auch meistens Geld kostet, merke ich, was ich brauche: Fokus. Im Studium habe ich das Wort MVP inflationär benutzt. Ich verstehe langsam mit Leib und Seele, warum diesem Wort ein Zauber inne liegt! Denn meine Energie ist knapp bemessen, genauso wie Zeit. MVPs sind effektiv und effizient und schaffen Fokus. Definiere den MVP-Umfang und halt dich gnadenlos daran – guter Tipp.

Setze den Fokus auf das Kleinstmögliche, auf den „kleinsten“ umsetzbaren Wert. Mein Kopf sagt: „klein klingt so negativ“. Ich denke das Wort „klein“ um. Ich meine nicht mehr „halb fertig“ oder „halb gar“, auch nicht „halb durchdacht“. Ich denke nun: „Klein“ ermöglicht mir Konzentration meiner Gedanken, Fokus auf die Qualität des Mehrwerts. Lieber reduzierter guter Umfang, als ganz viel und großer Mist.

Nicht die großen Brötchen backen und vor allem nicht: alle Brötchen gleichzeitig. Erst mal nur eins. Vielleicht auch nur ein kleines, leckeres, gutaussehendes Pizza-Brötchen. Woran ich mich freuen kann. Was wachsen darf, weil es schon geboren ist. Was sich entwickeln darf zum maximum viable product.

 

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    Folge 1