In dieser Folge von „Mutig und Klug fragt“ sprechen wir über ein Thema, das viele Gründer:innen nachts wach hält – aber selten offen auf den Tisch kommt: Was, wenn mein Unternehmen scheitert?
Janina spricht mit Prof. Dr. Felix Buchmann, Anwalt, Startup-Begleiter und DJ, über Insolvenz, Haftung, Teamkonflikte und falsche Gründungsmotive. Es geht um die drei zentralen Insolvenzgründe, um die Frage, warum so viele Start-ups am Team zerbrechen – und warum Frauen laut Felix oft die stabileren Gründerinnen sind.
Statt Gründungsromantik gibt es klare Begriffserklärungen, unbequeme Fragen und viel Ermutigung, Verantwortung bewusst zu übernehmen und trotzdem mutig zu gründen. Wenn Du ein Unternehmen planst, bereits gegründet hast oder im Kopf an der Ausstiegs- oder Worst-Case-Frage knabberst, ist diese Folge Dein Realitätscheck mit eingebautem Mut-Booster.
Start-up Insolvenz Definition: Drohende Zahlungsunfähigkeit, Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung
Als Felix Buchmann das Gespräch eröffnet, holt er nicht aus – er sortiert. Insolvenz ist kein Schicksalsschlag, keine große schwarze Wolke. Sie ist ein rechtlich definierter Zustand. „Es gibt im Wesentlichen drei Tatbestände, die man im Blick haben muss.“
Die drohende Zahlungsunfähigkeit bedeutet, dass klar absehbar ist: So wie das Geschäft gerade läuft, reicht das Geld bald nicht mehr aus, Rechnungen zu zahlen. Die Zahlungsunfähigkeit wiederum bezeichnet den Zeitpunkt, an dem das bereits eingetreten ist: „Das heißt, ich bin tatsächlich nicht mehr in der Lage, fällige Forderungen zu begleichen aus meinem Vermögen.“
Gefährlich wird es bei der Überschuldung. Nicht, weil sie dramatisch wirkt – sondern weil Gründer:innen sie oft nicht erkennen. „Es kann sein, dass man Geld auf dem Konto hat, aber dennoch finanziell überschuldet ist.“
Buchmann erinnert daran, dass diese Tatbestände nicht moralische Urteile sind, sondern Navigationspunkte. Wer sie kennt, handelt. Wer sie ignoriert, rutscht in echte Gefahr.
Insolvenzantrag Startup: Kannst du mich irgendwie beruhigen: Was passiert, wenn ich zu spät bin?
Kaum ein Satz im Gespräch trifft so hart wie dieser: „Nein, das kann ich nicht.“ Die Frage: Kann er Gründer:innen beruhigen? Antwort: Nein. Und das ist kein Sadismus, sondern Respekt vor der Realität. Gründen ist kein Sandkastenspiel. „Wir spielen ja nicht mit Förmchen im Sandkasten, sondern wir sind im Geschäftsverkehr.“ Wer als Geschäftsführer:in zu spät Insolvenz anmeldet, riskiert Haftung – persönlich.
„Ab dem Zeitpunkt des Insolvenzeröffnungsgrundes hat die Geschäftsleitung drei Wochen Zeit Insolvenz anzumelden. Wenn das nicht passiert, haften sie ab diesem Zeitpunkt persönlich.“ Und es hört nicht bei Geld auf: Wer verzögert, begeht eine Straftat – Insolvenzverschleppung. Buchmann formuliert ohne Weichzeichner. Nicht, um zu erschrecken, sondern um zu verhindern, dass Menschen unbewusst in eine Katastrophe laufen.
Startup Teamkonflikte: Der unterschätzte Insolvenzgrund
Viele glauben, Start-ups scheitern an der Finanzierung. Felix widerspricht: „Landläufige Meinung, dass die meisten Start-ups daran scheitern, dass das Team sich verstreitet. Das ist bedingt richtig.“ Nicht die Emotionen zerstören Unternehmen, sondern fehlende Regelungen. Freundschaft ersetzt keine Verträge.
„Wenn man gute Verträge hat, dann ist das Ausscheiden eines Gründungsgesellschaftes überhaupt gar kein Problem.“ Fehlen diese, fliegen Geschäftsmodelle bei der ersten Stresssituation auseinander. Buchmann bringt ein klares Bild: „Es ist das Gespräch über den Ehevertrag am Tag vor der Hochzeit.„
Niemand möchte es führen. Aber wenn man es nicht tut, wird der Streit grausam.
Falsche Gründungsmotive: Wenn Gründen zum Lifestyle wird. Gibt es auch falsche Gründe zu
gründen?
Ein anderer Satz, direkt, fast brutal ehrlich: „Viele.“ Die Jagd nach schnellem Geld sei einer davon.
„Wer eine Gründung herangeht mit der Überzeugung, das ist der Weg mit schnell zum Geld zu kommen… das geht sogar im Gegenteil meistens in die Hose.“ Gründen sei Erfüllung, nicht Flucht. „Man muss schon dahinter stehen und zwar mit allem, was man hat.“ Viele von uns kennen Gründer:innen, die mit PowerPoints und Vision Statements glänzen, aber Angst vor ehrlicher Realität haben. Buchmann bricht diese Illusion – und motiviert: Risiko ist nicht das Problem. Naivität ist es.
Investoren, Wachstum und Überleben: Wo Start-ups auseinanderbrechen
Später im Gespräch beschreibt er die gefährlichste Wachstumsphase:
Nicht die ersten Monate. „Immer die Schwelle zum Wachstum im Personal. Wer alles selbst machen will, wächst nicht. Wer abgibt, verliert das Gefühl der Kontrolle – und oft den Mut.
„Die, die meinen, immer alles selber machen zu müssen, die können halt nicht wachsen.“ Diese Passage ist wertvoll für Gründerteams: nicht der Pitch zerstört euch. Die Kontrollsucht.
‘Gründen oder bleiben lassen?’ – ein klarer Realitätscheck
Was am Ende bleibt, ist kein Gründungs-Horrorfilm. Felix sagt, Scheitern sei kein Makel.
„Scheitern gehört dazu, das ist völlig in Ordnung.“ Nur eines lehnt er ab: die romantische Dramaturgie des Scheiterns.
„Dieses Feiern von ich habe bei allem alles falsch gemacht […] das halte ich für einen ausgemachten Quatsch.“
Und er beendet mit einem Satz, der jungen Gründer:innen Mut macht:
„Risiken muss man im Hinterkopf haben. Aber sich entmutigen lassen sollte man auf gar keinen Fall.“

