Wie verwaltet man eigentlich eine Burg? Ich gebe zu: Das ist keine Frage, mit der ich morgens aufwache. Bis ich bei einer Führung auf der Burg Hohenzollern Dr. Anja Hoppe erlebt habe. Da merkte ich ziemlich schnell: Der engere Verwaltungsbegriff passt für diesen Ort kaum. Dr. Hoppe führt einen Ort, der aus Geschichte, Symbolik, Betrieb, Menschen, Erwartungen, Geld, Wetter, Tourismus, Adel und Gegenwart besteht.
Wir legen dieses Gespräch jetzt neu auf. Es wurde ursprünglich 2024 veröffentlicht. Wenn im Interview von 15 Jahren Burgverwaltung seit 2009 die Rede ist, bezieht sich das auf den damaligen Zeitpunkt. Der aktuelle Anlass ist neu: Hohenzollern und econoyou haben eine Kooperation begonnen. Im Herbst 2026 bieten wir drei Executive Seminare auf der Burg Hohenzollern an, für Geschäftsführerinnen, Geschäftsführer und die erste Führungsebene.
Genau deshalb passt diese alte Folge plötzlich wieder sehr nah an unsere Arbeit. Denn mit Dr. Hoppe spreche ich über Führung dort, wo Wirkung sichtbar wird: in Räumen, in Ritualen, in Entscheidungen, in einem Team, in der Frage, wer spricht, wer wartet, wer handelt und wer am Ende Verantwortung übernimmt.
Eine Burg ist ein Betrieb mit Vergangenheit
Dr. Hoppe ist klassische Archäologin, Bankkauffrau, war in Marketing und Kulturmarketing tätig und hat Museen auf den Markt gebracht. Zur Burg Hohenzollern kam sie 2009, über eine Stellenanzeige. Gesucht wurde eine Burgverwalterin. Sie erzählt, dass die Stelle fast alles verlangte, was sie konnte. Also bewarb sie sich.
Der Einstieg klingt im Gespräch fast wie eine Szene aus einem Roman: lange Titel im Einladungsschreiben, ein Raum voller Rauch, adelige Codes, eine Fahrt bis zur Kanone und der Rat ihres Vaters, vorher unbedingt das Auto zu putzen. Später sagte ihr der Fürst Hohenzollern, er habe das Auto gesehen und gewusst, dass sie auch die Burg pflegen könne.
Man kann darüber lachen. Und gleichzeitig steckt darin bereits eine ganze Theorie von Wirkung. In bestimmten Systemen wird vieles gelesen, bevor jemand einen Satz sagt. Auftreten beginnt vor dem eigentlichen Gespräch. Präsenz zeigt sich in kleinen Zeichen. Genau darum geht es auch in modernen Führungsrollen: Was senden wir aus, bevor wir argumentieren?
Verdient man Geld mit dieser Burg?
Als Dr. Hoppe im Bewerbungsgespräch gefragt wird, was sie auf der Burg tun wolle, antwortet sie: Geld verdienen mit dieser Burg. Das klingt erstaunlich nüchtern für einen Ort, den viele zuerst romantisch sehen. Für sie war es von Anfang an ein Betrieb, der erhalten, finanziert und weiterentwickelt werden muss.
Der Prinz von Preußen führt sie durch die Burg und sagt auf dem Fahnturm sinngemäß: Wenn sie jetzt denke, er sage „magisch“, liege sie falsch. Er sehe nur die Steine, und jeder koste 5000 Euro.
Das ist ein harter Perspektivwechsel. Der Blick ist schön, ja. Aber Schönheit bezahlt keine Sanierung. Geschichte erhält sich nicht selbst. Eine Burg hat Dächer, Mauern, Personal, Gastronomie, Sicherheit, Veranstaltungen, Energie, Wege, Erwartungen. Wer Verantwortung übernimmt, muss auch diese Seite sehen.
Mich interessiert an diesem Gespräch genau dieser Punkt: Führung beginnt dort, wo die Erzählung auf die Rechnung trifft. Bei Dr. Hoppe bleibt die Burg ein Sehnsuchtsort. Aber sie wird auch ein Unternehmen, das funktionieren muss.
Alte Hierarchien, neue Handlungsfähigkeit
Dr. Hoppe sagt sehr klar, dass man eigentlich keine Frau wollte. Die alten Verwaltungen der Königshäuser seien männlich geprägt gewesen, Frauen hätten dort bestimmte Rollen gehabt und sollten auf keinen Fall zu sehr nach vorne gehen.
Sie beschreibt, wie sie sich in diese Welt hineingearbeitet hat: Sie fragte, wenn sie etwas nicht verstand. Sie lernte Titel, Rituale, Begrüßungen und Wege. Sie nahm Regeln ernst, ohne ihre eigene Urteilskraft abzugeben. An einer Stelle erzählt sie, wie sie bei der Begrüßung von Prinz und Prinzessin nicht wusste, wem sie zuerst die Hand geben sollte, und ihre Hand in die Mitte hielt. Die Prinzessin nahm sie und sagte: Das ist schon richtig so.
Solche Szenen sind klein. Für Führung sind sie groß. Denn wer in ein bestehendes System kommt, muss dessen Sprache lernen. Gleichzeitig braucht es irgendwann den Mut, die eigene Sprache hinzuzufügen.
Entscheiden, wenn niemand die Landkarte reicht
Nach ihrer Einweisung bekommt Dr. Hoppe sinngemäß den Satz mit: Rufen Sie mich nicht so oft an. Man könnte daraus Unsicherheit machen. Sie macht daraus Handlungsspielraum. Sie sagt im Gespräch: Dann rufe ich halt nicht an, dann mache ich es halt. Wenn die Linie nicht passte, habe man sich gemeldet, und dann wurde korrigiert. Das ist eine sehr praktische Form von Führung. Den Rahmen verstehen, handeln, Resonanz aufnehmen, Kurs ändern. In Unternehmen wird darüber oft abstrakt gesprochen. Auf der Burg Hohenzollern klingt es plötzlich sehr konkret.
Aus einem verstaubten Kasten wird ein lebendiger Ort
Dr. Hoppe übernimmt nach eigener Beschreibung einen „verstaubten Kasten“, der gefühlt im 19. Jahrhundert stecken geblieben war. Die Belegschaft ist zerstritten. Die Burg ist verschuldet. Restaurant und Kiosk sind verpachtet. Die Region und die Burg wirken getrennt. Ihre Arbeit beginnt damit, den Ort neu zu verbinden: mit der Region, mit anderen Zielgruppen, mit Familien, mit Veranstaltungen, mit Gastronomie, mit einem Team, das wieder miteinander arbeiten kann.
Eine der stärksten Passagen ist die Geschichte des Restaurants. Der alte Pachtvertrag läuft aus, passende neue Pächter findet sie nicht. Also steht sie mit einer Kollegin abends im Burghof und sagt: Da müssen wir selber machen. Aus diesem Satz wird ein Eigenbetrieb mit eigener Mannschaft, Umbau, Erfahrung, Fehlern und am Ende einer Gastronomie, die zur Burg passt. Das ist Unternehmertum im Kulturbetrieb. Ein Moment im Wind, um 22 Uhr, mit der Einsicht: Wenn wir keinen passenden Weg finden, bauen wir ihn selbst.
Teamkultur als Betriebsmodell
Dr. Hoppe spricht viel über ihre Mannschaft. Sie beobachtet Menschen genau, setzt sie manchmal in andere Teams, fragt in Bewerbungsgesprächen nach Dingen, die auf den ersten Blick merkwürdig wirken, und achtet darauf, ob die Augen blitzen.
Ihr Gedanke ist einfach und anspruchsvoll: Menschen arbeiten gerne, wenn sie ihre Fähigkeiten ausschöpfen können. Bei 150 Mitarbeitenden ist das keine Kleinigkeit. Sie muss Namen kennen, Rollen verstehen, Stimmungen wahrnehmen und gleichzeitig den Betrieb am Laufen halten.
Mich hat daran beeindruckt, wie wenig romantisch diese Teamkultur ist. Es geht um Nähe, ja. Aber auch um klare Entscheidungen, direkte Ansprache und gemeinsames Anpacken. Wenn ein Event läuft, hilft jeder jedem. Auch die Chefin stellt sich hinein.
Vielleicht ist das ein Grund, warum diese Folge so gut zum Thema Executive Presence passt. Präsenz meint hier die Fähigkeit, in einem System sichtbar Verantwortung zu übernehmen.
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Einer der wichtigsten Sätze kommt später im Gespräch. Dr. Hoppe sagt, sie habe immer versucht, die Burg auf die Zukunft einzustellen: ein Objekt, das aus der Vergangenheit kommt, in der Gegenwart lebt und auf Zukunft ausgerichtet werden muss.
Das ist für mich der eigentliche Kern der Folge. Die Burg Hohenzollern lebt als historischer Ort jeden Tag durch Betrieb, Finanzierung, Erklärung, Schutz und Öffnung. Sie trägt Geschichte, aber sie braucht Entscheidungen in der Gegenwart.
Genau dieser Gedanke führt zum aktuellen Anlass. Wenn wir heute mit Hohenzollern Executive Seminare auf der Burg anbieten, wird die Burg zum Arbeitsraum. Sie macht sichtbar, worum es in Führung geht: Autorität, Wirkung, Verantwortung, Rollen, Entscheidungen, Status, Haltung und die Fähigkeit, Zukunft in einem bestehenden System möglich zu machen.
Die Executive Seminare auf der Burg Hohenzollern
Im Herbst 2026 bieten Hohenzollern & econoyou drei Executive-Tage auf der Burg Hohenzollern an.
- 14.09.2026, 09:00-17:00: Souverän auftreten & verhandeln für Female Leaders
- 22.10.2026, 09:00-17:00: Führen mit unternehmerischer Verantwortung für Geschäftsführung & 1. Führungsebene
- 29.10.2026, 09:00-17:00: Souverän auftreten und verhandeln für Geschäftsführung & 1. Führungsebene
Die Seminarkosten liegen laut Seminarseite bei 2300,- Euro zzgl. MwSt. pro Person. Bei mehreren Teilnehmenden pro Firma ist ein Preisnachlass nach Absprache möglich.
Mehr Informationen gibt es hier: Executive Seminare auf der Burg Hohenzollern.
Warum diese Folge jetzt wiederkommt
Ich höre dieses Gespräch heute anders als 2024. Damals war es für mich vor allem das Porträt einer außergewöhnlichen Frau an einem außergewöhnlichen Ort. Heute höre ich darin noch stärker die Führungsfragen, die viele Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer kennen: Wie treffe ich Entscheidungen unter Beobachtung? Wie bewege ich mich in gewachsenen Strukturen? Wie verändere ich Bilder in Köpfen? Wie führe ich ein Team, das den Ort jeden Tag trägt?
Dr. Hoppe spricht darüber mit Humor, Direktheit und einer eigenen Mischung aus Gehorsam und Rebellion. Sie sagt an einer Stelle, sie versuche, Rebellion zu führen, indem sie mit Wohlgefallen und Gehorsam nach vorne gehe, vermeintlich, und dann ihren Weg gehe.
Vielleicht ist genau das die Kunst in vielen Führungsrollen: die Codes kennen, den Raum lesen, die Menschen ernst nehmen und trotzdem den eigenen Weg gehen.
Wer hören möchte, wie das auf einer Burg klingt, sollte diese Folge hören.
Weiterhören bei Mutig und Klug fragt
Wenn Euch diese Folge interessiert, passen zwei Gespräche besonders gut dazu.
Vera Lyko spricht mit Dr. Anja Hoppe über die Führung der Burg Hohenzollern, über Burgverwaltung als Betriebsaufgabe, alte Hierarchien, Teamkultur, unternehmerische Verantwortung und die Frage, wie ein historischer Ort in der Gegenwart lebendig bleibt.
Die Folge ist ein Re-Release eines Gesprächs, das ursprünglich 2024 veröffentlicht wurde. Der aktuelle Anlass ist die Kooperation von Hohenzollern und econoyou: Im Herbst 2026 finden drei Executive Seminare auf der Burg Hohenzollern statt.
Dr. Anja Hoppe ist Burgverwalterin der Burg Hohenzollern. Sie ist klassische Archäologin, Bankkauffrau und Kulturmanagerin und führt seit 2009 den Betrieb der Burg Hohenzollern.
Das Gespräch behandelt Entscheidungen unter Unsicherheit, Führung in gewachsenen Strukturen, Frauen in traditionellen Hierarchien, Teamaufbau, Gastronomie als unternehmerische Entscheidung, Veranstaltungen und die langfristige Entwicklung eines historischen Ortes.
Hohenzollern & econoyou bieten 2026 drei Executive-Tage an: „Souverän auftreten & verhandeln“ für Female Leaders am 14.09.2026, „Führen mit unternehmerischer Verantwortung“ am 22.10.2026 und „Souverän auftreten und verhandeln“ für Geschäftsführung und erste Führungsebene am 29.10.2026.
Die Übersicht zu den Executive Seminaren steht unter https://econoyou.de/exzellenzseminare-burg-hohenzollern/. Dort sind auch die drei Einzelseminare verlinkt.

