Eva Helmeth lächelt aus dem pinken Mutig und Klug fragt iPod heraus, im Hintergrund sind die Podcast Hosts Vera Lyko und Janina Rüger-Aamot zu sehen

S07-E06 Mon Courage Gründerin Eva Helmeth – Wann sind Chancen wirklich Chancen?

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Vera Lyko

Vera begleitet als systemische Coach, Business-Strategin und Co-Founderin von econoyou Gründer bei wichtigen unternehmerischen Entscheidungen – von der Gründung über die Teamentwicklung bis zur Unternehmensnachfolge.

Sie verbindet mehr als elf Jahre Erfahrung in der Automobil- und IT-Branche mit fundiertem Wissen zu Geschäftsmodellen, Produktentwicklung und Teamdynamiken.

Gemeinsam mit Janina Rüger-Aamot entwickelt sie unter den Marken econoyou und Gründet gemeinsam! innovative Lernformate, Simulationsspiele und Kartenspiele für Gründer und Gründungsteams.

Eva Helmeth spricht mit Vera Lyko über MON COURAGE, Reisekosmetik, ihren abgelehnten Deal mit Ralf Dümmel, Lieferketten und Kompromisse im Impact-Business.

Wann ist eine Chance wirklich eine Chance? Als ich gehört habe, dass Eva einen Deal bei der Höhle der Löwen abgelehnt hatte, dachte ich zuerst: okay, das ist krass. Ist das nicht das, was man will? Wollen sollte? Skalierung? Und dann auch noch mit Ralf Dümmel, Mr. Supermarkt-Regal. Wie kommt es, dass eine Gründerin erst in diese Sendung geht und dann einen Rückzieher macht? Ich wollte es genauer wissen. Turns out: Das ist gar nicht das Spannendste an Eva. Die Höhle-der-Löwen-Geschichte ist eher eine Randerscheinung. Eva hat ihre Zelte in Deutschland abgebrochen, um die Zulieferer ihrer Reisekosmetik-Pflegeprodukte kennenzulernen, also die, die die Rohstoffe liefern.

Safe to say: Das tun die wenigsten. Aber Eva tut es. Und ich nehme ihr ab, dass sie das kompromisslos und aus voller Überzeugung tut. Sie will die Menschen hinter den Verträgen, den Produkten, den Rohstoffen kennenlernen. Und so hat sie auch mich kennengelernt. Es hat gefunkt im Vorgespräch. So sehr, dass diese Folge länger gedauert hat als unsere übliche Stunde.

Wir sprechen über Kompromisse, über regionale Produkte, über ätherische Öle, Kakaobohnen und Pflanzen, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Aber auch über Schicksalsschläge und Krankheiten, harte Entscheidungen und über ein Zukunftsprojekt mit UV-Filtern. Ich danke Eva für ihre Offenheit und dafür, dass sie sich eingelassen hat, auch auf meine kritischen Fragen, die sie ernst genommen und beantwortet hat. Und nun viel Spaß mit dieser Folge.

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Eure Vera

Die Chance mit Preisschild

Eva Helmeth ist Gründerin von <a href=“https://moncourage.de/“>MON COURAGE</a>, einer Marke für natürliche Reisekosmetik. Cream Stick, Sunstick und Showerbar sind für Menschen gedacht, die unterwegs nicht fünf Tuben und Tiegel brauchen wollen. Fest, praktisch, gezielt einsetzbar.

Der Deal bei „Die Höhle der Löwen“ klingt erst einmal wie die Abkürzung, auf die viele Gründerinnen hoffen. Reichweite. Geld. Handel. Ralf Dümmel. Bei Eva wurde aus dieser Abkürzung eine Prüfung. In den Gesprächen nach der Sendung stand schnell im Raum, dass MON COURAGE deutlich günstiger werden müsste. Andere Preise, andere Rohstoffe, andere Logik.

Eva sagt, sie spare nicht an Rohstoffen. Das ist bei ihr kein hübscher Satz für die Verpackung. Wenn billigere Kakaobutter die Voraussetzung für schnelles Wachstum ist, dann verändert sich die Kalkulation. Und es verändert sich das Unternehmen.

Ein Produkt aus Fernweh und Pflanzenwissen

MON COURAGE kommt aus mehreren Schichten. Eva ist viel gereist, schon früh. Elfenbeinküste, Indien, Australien, Südafrika. Dann kamen Jahre in der Region Freiburg, ein Job in der Schweiz im Bereich Bike-Sharing und Car-Sharing, nachhaltige Mobilität, ein gutes Gehalt, ein Leben, das von außen sehr vernünftig aussah.

Nach einer Krankheit begann Eva, sich intensiver mit Pflanzenheilkunde zu beschäftigen. Sie lernte an der Freiburger Heilpflanzenschule, später kamen Aromatherapie und Naturkosmetik dazu. Irgendwann traf dieses Wissen auf eine alte Sehnsucht: wieder beweglicher leben, wieder reisen, ein Produkt entwickeln, das unterwegs wirklich Sinn ergibt.

Reisekosmetik beginnt bei Eva deshalb bei einer sehr praktischen Frage: Was läuft im Rucksack nicht aus, braucht wenig Platz und deckt mehrere Pflegesituationen ab?

Lieferkette heißt: hinfahren

Ende 2022 verkaufte und verschenkte Eva fast alles, lagerte ein paar Erinnerungsstücke bei ihren Eltern ein und zog mit Rucksack los. Der erste Weg führte sie nach Ecuador, zur Kakaobutter. Ein Freund wollte ihr Bilder von den Ursprüngen schicken. Eva fuhr mit.

Dort lernte sie Rosita kennen, eine Kakaobäuerin. Zwei Tage später wohnte Eva bei ihr. Sie sah Alltag, Ernte, Familie, Wege, Arbeit, Fermentation. Das ist eine andere Form von Transparenz als ein Zertifikat auf einer Website.

Eva erklärt an der Kakaobutter sehr konkret, wie viele Stationen zwischen Farm und fertigem Produkt liegen: Farmer, Kooperative, Verarbeitung in Quito, ein Schokoladen-Startup vor Ort, ein Importpartner in Berlin, Produktion in Köln. MON COURAGE braucht keine Tonne Kakaobutter, eher 50 bis 100 Kilo pro Produktion. Ein kleines Unternehmen hat eine andere Marktmacht als ein Konzern. Es kann aber entscheiden, wo es hinschaut.

Globalisierung ohne saubere Hände

Eine Frage bleibt unangenehm: Wenn Eva an Pflanzen aus der jeweiligen Region glaubt, warum verarbeitet sie dann Rohstoffe aus Marokko, Ecuador oder von den Philippinen?

Ihre Antwort ist nicht glatt. Sie spricht über Sanddorn aus Brandenburg und Ringelblume, aber auch über die Grenzen heimischer pflanzlicher Fette. Traditionelle Pflege in unseren Breiten führt schnell zu tierischen Fetten wie Lanolin oder Talg. Wer vegan arbeiten will, landet bei Pflanzenbuttern, und viele davon wachsen woanders.

Dann wird es politisch. Arganöl wächst in einer bestimmten Region in Marokko. Der Klimawandel trifft diese Ernten. Exportstopps können kleine Kooperativen härter treffen als große Händler. Koloniale Handelswege verschwinden auch dann nicht, wenn ein Produkt heute hübsch verpackt ist.

Evas Satz dazu: Globalisierung ist Realität. Die Frage ist, wie wir sie gestalten. Für sie heißt das: hinfahren, Beziehungen aufbauen, Preise verstehen, mit Menschen arbeiten, die sie kennt. Das bleibt widersprüchlich. Und weniger bequem.

Kompromiss ist Arbeit

Am ehrlichsten wird Eva dort, wo sie keinen reinen Claim sucht. Wer physische Produkte verkauft, trifft immer Kompromisse: regional oder vegan, Naturkosmetikstandard oder Sonnenschutz, Wachstum oder Selbstbestimmung, Preis oder Rohstoffqualität.

Beim Sunstick arbeitet MON COURAGE mit modernen UV-Filtern, obwohl diese aus Erdöl hergestellt werden. Eva sagt klar, dass Kokosöl oder Himbeersamenöl keinen ausreichenden Sonnenschutz bieten. Ein Sonnenschutz muss schützen und er muss sich so anfühlen, dass Menschen ihn benutzen.

„Dogmatismus bringt uns überhaupt nicht weiter“, sagt Eva. Ich glaube, genau da liegt der interessante Punkt. Haltung ist leicht, solange sie abstrakt bleibt. In einem Produkt wird sie konkret. Sie steckt im Einkauf, in der Rezeptur, im Preis, in der Verpackung, in der Frage, welches Angebot man annimmt und welches man liegen lässt.

Evas nächstes großes Thema passt dazu: ein pflanzlicher UV-Filter aus Cashewnussschalen, entwickelt aus Forschung in Mainz und Johannesburg. Dafür braucht es andere Strukturen, andere Partner, anderes Kapital. MON COURAGE darf langsam wachsen. Dieses Projekt wahrscheinlich nicht.

Eine Gründerin, die ihre Linie prüft

Interessant wird Eva für mich an der Stelle nach der Absage. Sie wirkt danach nicht kleiner. Sie arbeitet weiter an Wachstum, aber an einem Wachstum, das sie mit ihren Rohstoffen, ihren Beziehungen und ihrem eigenen Kompass aushält.

Das ist eine andere Art von Mut als der Fernsehmoment. Leiser. Anstrengender. Weniger gut zu schneiden. Aber vielleicht viel näher an dem, was Gründen wirklich ist: Entscheidungen treffen, sie bezahlen, sie wieder prüfen.

Wer hören möchte, wie Eva Helmeth über MON COURAGE, Ralf Dümmel, Reisekosmetik, Kakaobutter, Lieferketten, Globalisierung, regionale Rohstoffe und Kompromisse im Impact-Business spricht, sollte sich die ganze Folge anhören.

Weiterhören bei Mutig und Klug fragt

Wenn Euch diese Folge interessiert, passen zwei Gespräche besonders gut dazu.

Worum geht es in der Podcastfolge mit Eva Helmeth

Vera Lyko spricht mit Eva Helmeth über MON COURAGE, Reisekosmetik, Lieferketten, ihren abgelehnten Deal mit Ralf Dümmel nach „Die Höhle der Löwen“ und die Frage, wann eine Chance wirklich zur eigenen Gründung passt

Wer ist Eva Helmeth?

Eva Helmeth ist Gründerin von MON COURAGE. Sie hat Anthropologie und Global Studies studiert, arbeitete im Bereich nachhaltige Mobilität und entwickelte später feste Reisekosmetikprodukte auf Basis von Pflanzenölen, Pflanzenbuttern und Heilpflanzenwissen. Helmeth?

Was macht MON COURAGE?

MON COURAGE entwickelt natürliche Reisekosmetik in praktischen Formaten, zum Beispiel Cream Stick, Sunstick und Showerbar. Die Produkte sollen unterwegs funktionieren und mehrere Pflegesituationen abdecken.

Warum hat Eva Helmeth den Deal bei „Die Höhle der Löwen“ abgelehnt?

Eva Helmeth erklärt, dass das geplante Wachstum mit Ralf Dümmel starke Preis- und Rohstoffkompromisse bedeutet hätte. Für MON COURAGE wären billigere Quellen und ein Discounterformat aus ihrer Sicht der falsche Weg gewesen.

Warum reist Eva Helmeth zu ihren Lieferketten?

Eva Helmeth möchte die Menschen hinter Rohstoffen, Kooperativen und Verarbeitung persönlich kennenlernen. Im Gespräch erzählt sie unter anderem von Kakaobutter aus Ecuador, Kokosöl von den Philippinen und der Bedeutung direkter Beziehungen

Welche Kompromisse beschreibt Eva Helmeth im Impact-Business?

Die Folge behandelt Abwägungen zwischen regionalen und globalen Rohstoffen, veganen und heimischen Rezepturen, Naturkosmetikstandards, Sonnenschutz, Preis, Wachstum und Selbstbestimmung

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