Bereitgestellt von
Vera Lyko

Rüdiger Schestag berichtet im Podcast über seine Perspektive auf den Begriff Authentizität und erklärt seine Methoden zu den Themen „Aufbau und kund:innengerechte Präsentation des eigenen Portfolios“ und „Preisverhandlung und Preisgestaltung“. Für Anfänger:innen und Profis eine hörenswerte Folge des Biz:info Podcasts: „Mutig und Klug fragt“.

Mutig und Klug fragt Fotograf Rüdiger Schestag

 

Das Interview mit Rüdiger war ein ganz Besonderes für mich. Nicht zuletzt, weil es mein erstes Podcast-Interview überhaupt war, sondern weil er – obwohl unsere beiden Professionalitäten so unterschiedlich sind – viele wertvolle Praktiken zu berichten hatte, die ich nach dem Interview immer mal wieder einsetzen konnte – in verschiedenen Lebenslagen, in der Arbeit, Privat, im Hobby. Allen voran das „Schestag Tool“ oder seine praktischen Hinweise zum eigenen Portfolio. Auch beim 5. Anhören der Folge habe ich wieder etwas Neues entdeckt, einen neuen Aspekt, der für mich gerade „dran“ ist. Diese Folge hat auf jeden Fall ein „Wieder-hör-Potential“. Rüdigers jahrelange Erfahrung klingt durch in jeder Anekdote, in jedem Hinweis, in jeder Methode. Ich bin dankbar, von ihm durch das Interview gelernt zu haben.

Verschwimmt Privates und Berufliches, wenn das Atelier in der eigenen Wohnung ist?

Rüdiger Schestags Atelier ist in seinem Wohnzimmer. Das liegt die Frage nahe, ob das Privatleben mit dem beruflichen verschwimmt. Für Rüdiger ist das kein Problem – für ihn sind beide Leben ohnehin verwoben und ungetrennt. Privatleben und Job ist für ihn nicht trennbar. “Ich verbinde auch beides zusammen. Für mich ist es auch Urlaub, wenn ich mal in ein anderes Land fahre, weil ich da ‘nen Job hab” oder “Für mich ist es gar nicht so richtig möglich zu sagen: so in dem Moment, jetzt bin ich privat und jetzt nicht”

Warum ist Berlin für Fotografen optimal?

Für Fotograf Rüdiger Schestag ist klar: er hat gerne kreative und verrückte Menschen vor der Kamera “und davon gibt es hier jede Menge”. Das war sein Beweggrund, von Stuttgart nach Berlin zu ziehen. Mit Erfolg, wenn man sich sein online Magazin The Real Life Magazine ansieht.

Was macht einen guten Künstler aus?

“Dazu müsste man erst mal fragen, was “gut” bedeutet”, sagt Schestag im Interview. “Finanziell erfolgreich bedeutet für einen Künstler Kontakte zu haben. […] Es gibt viele gute Künstler, die keiner kennt und die auch nicht davon Leben können, meiner Meinung nach. Das gilt auch für die Musik, für die Malerei, für die Fotographie”, führt Schestag weiter aus. Wenn man keine guten Kontakte hat, ist es äußerst schwer, finanziell erfolgreich zu sein. “Es bringt nichts, gut zu sein, und es niemandem zu erzählen.”, spitzt Schestag zu. Für Schestag selbst ist es eher eine Notwendigkeit, finanziell erfolgreich zu sein, um Material, Reisen, Ausstattung und Ausstellungen zu finanzieren. Wenn man von der Kunst leben möchte, ist es unerlässlich, genug Geld zu verdienen. Sicherlich sind die verschiedenen Märkte in der Kunst unterschiedlich aufgestellt, wie zum Beispiel im Malerei-Kunstmarkt, dort sind die richtigen Kontakte einmal mehr wichtig. Fazit ist also: Netzwerk ist das A und O und sicherlich das Motto: “Tue Gutes und rede darüber”.  

Ist Kunst authentischer, wenn sie nicht für den allgemeinen Ottonormalverbraucher ist?

Hier sieht Rüdiger Schestag keinen Zusammenhang: “Wenn man ein Typ ist, der sich verbiegt, um Erfolg zu haben, dann kann man das im Entverbraucher-Bereich machen, das kann man im kommerziellen Bereich machen, das kann man auch im Kunstmarktbereich machen. Das ist eher eine Persönlichkeitsfrage”. Ob man authentisch ist oder nicht, hat also nichts mit Euren Kund:innen zu tun. Es kommt darauf an, dass ihr zu Eurer Kunst, Eurem Projekt und Euren Zielen steht und Entscheidungen trefft, bei denen Ihr voll und ganz mitgehen könnt. Für Rüdiger Schestag hat Authentizität nichts mit der glitzernden Welt auf Instagram zu tun. “Dieses Vorgaukeln von Authentizität ist es ja oft. Das heißt, ich spiele das oder ich erscahffe mir ein Image, das ich dann pflege und suggeriere, dass das authentisch wäre. Das sieht man meiner Meinung nach sehr oft.” 

Was ist dann Authentizität?

“Für mich ist Authentizität eher was Alltägliches”, sagt Schestag. Er fragt sich “Auch im kleinsten Bereich: ‘Ist das was für mich’ oder ‘Kann ich mich damit identifizieren?’ ‘Bringt mich das weiter?’. Für ihn als Fotograf hat Authentizität auch etwas mit der Job Auswahl zu tun. Als Antwort auf die Frage: “Was ist Authentizität” zieht er das Fazit: “Versuchen, sich nicht verstellen zu müssen!” 

Wie geht man mit Jobanfragen um, die man nicht oder ungern annehmen möchte?

Hierzu hat Rüdiger Schestag den wohl besten Tipp aller Zeiten, denn er hat auf Basis seiner langjährigen Erfahrung ein eigenes Tool entwickelt: Das Schestag Tool. Wie funktioniert das? Wenn Du ein Angebot für einen Auftrag bekommst und dich nicht so wohlfühlst, vielleicht, weil das Thema nicht zu dir passt oder der/die Kundin, dann drehst du den Preis so hoch, dass du den Job nicht bekommst. Und wenn du ihn dann bekommst, ist es ok, weil der Preis hoch ist. Schestag nennt als Beispiel eine Anfrage zu einem Hunderennen. In diesem Themenfeld ist er schlichtweg nicht unterwegs, sprich: er müsste sich damit auseinandersetzen, welche Kriterien an gute Hundesportfotos gelegt werden. Ein weiteres Beispiel sind Hochzeitsfotos. Für jemanden, der sonst im B2B Bereich Unternehmensfotos und Musik-Cover gestaltet und sich in diesem Bereich auch einen Namen machen möchte, ist das Schestag-Tool ein gutes, um sich bei unliebsamen Jobanfragen abzugrenzen. 

“Das Schlimmste, was ich festgestellt habe, ist, wenn man Sachen macht, die man nicht gerne machen möchte. Und man hat dann auch noch einen zu niedrigen Preis ausgehandelt. Dann fühlt man sich doppelt schlecht!”, sagt Schestag. “Wenn der Preis stimmt, hat man das Gefühl: ‘Die Leute wollen mich wirklich!’ und dann ist es auch irgendwie wieder gut. “Das hat auch was mit der eigenen Wertschätzung zu tun.” Viele, so der Fotograf, arbeiten “unter Preis”, was legitim für den Unternehmensaufbau ist. Wenn man jedoch zu viele Jobs annimmt unter Preis, die man gar nicht annehmen möchte, “das ist so ein Ding, da macht man sich irgendwann kaputt.”

6 Tipps für Fotograf-Berufsanfänger: optimaler Start in die Fotografie

  1. Ausprobieren: Schaut nach den Dingen, die euch gefallen und liegen
  2. Grenzen setzen: Nur nicht billig und alles machen. “Bevor ich zu billig arbeite, habe ich lieber die Freizeit, die ist mir mehr wert”
  3. Gerade, wenn man anfängt, gut vorbereiten.
  4. Keine Angst vorm “ersten Mal”: “Einfach ein bisschen frech sein. Also frech sein in der Form, dass man sagt: ich kann das! Ich mach das!, dann muss ich mich aber auch gut vorbereiten!”, sagt der Profi, denn “Wenn man so lange wartet, bis man alles kann… das geht ja auch nicht!”
  5. Selbstbewusstsein hängt von der Vorbereitung ab: Vorbereitung ist mehr als die halbe Miete
  6. Hol’ dir einen Rat von außen zu deinem Portfolio

Wie bereitet man sich optimal auf einen Auftrag vor?

Recherche ist wichtig: Wie tickt dein:e Kund:in? Was ist gefordert? Internetrecherche über deine Kund:innen ist eine gute, erste Adresse.

Wie finde ich die richtige Kundengruppe?

“Je besser man sich positioniert auf dem Markt, desto genauer finden einen auch die Kunden.”, sagt Schestag. Er ist überzeugt davon, dass die richtigen Kunden ihn finden. Sein Geheimnis ist eine genaue Präsentation seiner Bilder. Nicht alles passt zu allen Kunden, was ein Glück ist. Da es mit diesen Kunden wahrscheinlich ohnehin nicht funktioniert. 
Am Anfang hat man sehr vieles im Portfolio. Es ist nicht leicht, rauszufinden, was in das eigene Portfolio passt und es dauert seine Zeit. Also nur Geduld. “Entweder man braucht viel Zeit oder man holt sich Rat”, rät Rüdiger Schestag jungen Fotografen. Sich festzulegen ist eine Kunst, die es zu erlernen gilt.

Kunden möchten das sehen in deinem Portfolio, was sie später haben wollen (Rüdiger Schestag)

 

Wie baue ich ein gutes Portfolio auf?

“Ich hab zum Beispiel 5 Instagram Accounts”, sagt Rüdiger Schestag. Er hat mehrere Accounts, um die verschiedenen Richtungen seiner Arbeit zu trennen. Das tut er für seine Kund:innen. “Dann gibt es einen Account für meine gewerblichen Sachen, einen für meine freien Sachen. Und dann schick’ ich die Leute auf den richtigen Account. Und das ist schon sehr sehr hilfreich.” 
Demnach ist der Profitipp: Egal wieviel oder was du machst, pack nicht zu viel in deinen Instagram Feed – das überfordert deine Kund:innen. Lieber eine gute Struktur und mehrere Accounts. 

 

Die graphic recordings zur Folge

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    Folge 16